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Stimmakrobaten und Komiker

Ein Konzert der "Banchieri Singers" aus der ostungarischen Stadt Nyíregyháza

Der Margarete-Bieber-Saal war am Montag abend Schauplatz eines außergewöhnlichen Konzertereignisses. Zu Gast waren die "Banchieri Singers" aus der ostungarischen Stadt Nyíregyháza. Das sechsköpfige Vokalensemble hat bereits mehrere internationale Wettbewerbe gewonnen und Konzertreisen unter anderem nach Rußland, Frankreich, Deutschland und Japan unternommen. Daß es die hochkarätigen Sänger an die Lahn "verschlug", war einem Privatkontakt zu verdanken. Ihr Konzert in Gießen war sozusagen ein Zwischenstop auf dem Weg zu einer Konzertreise nach Frankreich. Die aus einem Baß, zwei Baritonen, einem Tenor und zwei Countertenören bestehende Gruppe steht auf dem Boden der Kodály-Musikpädagogik und stellt bewußt U- und E-Musik einander gegenüber. Schwerpunkte ihres Repertoires bilden Renaissance-Madrigale, zeitgenössische ungarische Vokalwerke sowie Pop- und Jazz-Arrangements. Das Programm bestand dementsprechend aus drei Teilen.
Im ersten wurden neun Madrigale vorgestellt. Von Anfang an begeisterten die sechs Sänger aus Ungarn durch ihren reinen, sonoren Ensembleklang, präzises Zusammenwirken und perfekte klangliche Balance. Ungemein lebendig sang das Ensemble den Satz "Im Mayen" von Lassus. In Gomberts "Quant je suis auprez" beeindruckten hohe Beweglichkeit und gestochen scharfkonturige Figuren, in dessen Klagelied die klanglich einfühlsame Gestaltung.
Sprachakrobatik und Wortplastik bot das Vokalensemble auch in den folgenden Sätzen. Wem die musikalisch-technische Versiertheit nicht genügte, der konnte sich an den darstellerischen Fähigkeiten der Musiker delektieren. Mit gezielt eingesetzter, natürlich wirkender Gestik und Mimik machten sie aus jedem Gesangsstück mehr oder weniger eine humorvolle Performance und zeigten damit, daß sie nicht nur Stimmakrobaten, sondern auch Komiker sind. Besonders deutlich wurde dies in Passereau "Il et bel et bon", wo der Wettstreit zweier Frauen, wer den besseren Mann hat, nicht nur szenisch, sondern auch stimmilich hervorragend nachgezeichnet wurde.
Sehr unterschiedliche musikalische Ausdrucksebenen boten die drei zeitgenössischen ungarischen Vokalwerke. Nach der beschaulichlyrischen "Abenddämmerung" von Ferenc Farkas führte das Ensemble in György Orbán "Nymphe und Faun" gekonnte Avantgarde-Vokaleffekte vor. Mitreißend und temperamentvoll wurde eine Volksballade von Péter Nógrádi präsentiert. Mit vier englischen "Volksliedern" war der Bereich des Pop und Jazz erreicht. "I'm a train" und "Short People" bestachen durch ungestüme Lebendigkeit, musikalische Perfektion und eine unnachahmliche Theatralik. Bühnenreif war auch der Vortrag eines japanischen Liedes, das den Schlußpunkt unter das offizielle Programm setzte.
Doch abtreten durften die jungen ungarischen Sänger noch lange nicht. Das Publikum erklatschte noch drei Zugaben, von denen der souverän ausgeführte und mit vielen zusätzlichen Vokaleffekten gespickte Beatles-Song "Obladi-Oblada" die bekannteste war. Nach Abklingen der Ovationen kursierte die Nachricht, daß die "Banchieri Singers" im nächsten Sommer wieder nach Gießen kommen wollen - aber dann hoffentlich nicht mehr als Geheimtip in einem kleinen, versteckten Saal!

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